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Versicherungsrecht

  1. In dem von mir vertretenen Versicherungsrecht geht es vorrangig nicht, wie im Bereich Verkehrsrecht, um Ansprüche, die gegenüber der gegnerischen Haftpflichtversicherung geltend gemacht werden, sondern um Ansprüche gegenüber der eigenen Kaskoversicherung, privat abgeschlossenen Unfallversicherungen oder Rechtsschutzversicherungen.

    Grundsätzlich ist es nicht zweckmäßig, nach einem Unfall vorschnell erst einmal zur Zwischenfinanzierung die eigene Kaskoversicherung in Anspruch zu nehmen. Sobald die Kaskoversicherung Zahlungen leistet, gehen insoweit die Ansprüche nach § 86 VVG auf die Kaskoversicherung über und diese können dann nicht mehr gegenüber der gegnerischen Versicherung geltend gemacht werden. Die Abrechnung über die Kasko kann auch nicht rückabgewickelt werden.

    Der Leistungsumfang der Kaskoversicherung ist ein deutlich eingeschränkter, im Vergleich zu einem Schaden, den die gegnerische Haftpflichtversicherung zahlen muss. Die eigene Kaskoversicherung erstattet weder Sachverständigenkosten, noch eine Wertminderung. Des Weiteren ist der Leistungsumfang im Falle der Reparatur geringer. Auch Sachverständigenkosten zahlt die eigene Kaskoversicherung nicht, sofern sie mit der Leistung nicht in Verzug war, zum Zeitpunkt der Einschaltung eines Anwaltes.

    Ein gutes Beispiel ist die sogenannte Beilackierung. Wird ein Schaden repariert und würde man z. B. nach Lackierung der beschädigten Türe einen Kontrast zur Altlackierung des vorderen Kotflügels sehen, so hat der Geschädigte Anspruch darauf, dass auch das nichtbeschädigte Teil lackiert wird und die Lackierung fließend ausläuft, so dass kein Übergang zu sehen ist. Nach den Bedingungen der Kaskoversicherung gibt es hier meist keinerlei Ersatz.

    Am gravierendsten ist der Unterschied zur Haftpflichtversicherung, dass Vertragsverletzungen dazu führen, dass die Versicherung keine Leistungen erbringen muss. Begeht man im Rahmen des Schadensfalls eine Unfallflucht oder Trunkenheitsfahrt, so muss die Kaskoversicherung den Schaden am eigenen Fahrzeug nicht ersetzen, d. h. man bekommt keinen Cent. Bei grober Fahrlässigkeit, z. B. Rotlichtverstoß, Überfahren eines Stopp-Schildes kommt es zu massiven Kürzungen des Anspruchs. Die entsprechenden Klauseln werden jedoch oft zu Lasten des eigenen Versicherungsnehmers ausgelegt und daher werden zu Unrecht keine Zahlungen geleistet oder die Kürzung fällt zu hoch aus, so dass es zweckmäßig ist, ggf. Leistungsabrechnungen einer Kaskoversicherung anwaltlich zu überprüfen.

    Die eigene Haftpflichtversicherung zahlt hingegen dem Gegner bei einer Schadensverursachung grundsätzlich den Schaden, auch wenn Verstöße des eigenen Versicherungsnehmers vorliegen. Es besteht lediglich die Chance in gewissen Grenzen Regress zu nehmen, wobei die Höhe auch begrenzt ist.

    Die verkürzte Darstellung in der Presse, dass bei einem alkoholbedingten Unfall die Versicherung nicht zahlt und man den Versicherungsschutz verliert, ist somit definitiv falsch. Dies gilt nur gegenüber der eigenen Kaskoversicherung, was folgendes Beispiel illustriert.

    Ein Mandant verursacht einen Unfall und ist zu 100 % schuld und begeht Unfallflucht, was er nicht nur nach dem Gesetz nicht darf, sondern auch nach den Versicherungsbedingungen nicht. Der Fremdschaden beläuft sich auf 20.000 €. Diesen Betrag zahlt die eigene Haftpflichtversicherung dem Geschädigten. Bei einer „normalen durchschnittlichen“ Unfallflucht beträgt der Regressanspruch des Versicherers gegenüber dem eigenen Kunden 2.500 €, so dass dieser Betrag der eigenen Versicherung erstattet werden muss. Die eigene Kaskoversicherung muss aufgrund dieser Vertragsverletzung, weil dort der Verstoß schwerer gewichtet wird, überhaupt nichts bezahlen, so dass, sofern der eigene Schaden auch 20.000 € beträgt, man vollständig leerausgeht.

  2. Bei der privaten Unfallversicherung ist es nach fast allen Bedingungen erforderlich, dass die sogenannte Invalidität spätestens 12 Monate nach dem Unfallereignis eingetreten sein muss und innerhalb weiterer drei Monate, also spätestens 15 Monate nach dem Unfall, ärztlich festgestellt und auch gegenüber der Versicherung geltend gemacht werden muss. Hier kommt es immer wieder zu dem Verlust von Ansprüchen, da der Laie meint, wenn der Arzt immer wieder sagt, es könnte noch besser werden und es wird dann doch nicht besser, dass dann die Invalidität schon vor Ablauf dieser 12 Monate eingetreten ist, da es ja nicht mehr besser wurde. Diese Ansicht ist falsch.

    Wenn diese Fristen, die im Versicherungsvertrag so vereinbart sind, versäumt werden, dann ist der Anspruch verloren, ohne dass es auf ein Verschulden ankäme.

    Besonders strittig ist immer die Frage, ob ein Unfall vorliegt, der den Schaden verursacht hat oder ob der Schaden vorwiegend durch Bestehen von Vorerkrankungen ausgelöst wurde und der Schadenseintritt durch den zusätzlichen Unfall nur beschleunigt wurde aber dieser so oder so eingetreten wäre. Dies wird immer sehr gerne von der Versicherung behauptet, um eine Leistung abzulehnen, so dass eine anwaltliche Überprüfung schon im Vorfeld zweckmäßig ist.