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Erbrecht:

Grundsätzlich ist es für einen juristischen Laien zweckmäßig, sich vor Abfassung eines Testamentes, ggf. im Rahmen einer kostengünstigen Erstberatung, beraten zu lassen, um spätere Auslegungsprobleme des Nachlassgerichts zu vermeiden.

  1. Oft bedeuten die von einem Laien verwendeten Ausdrücke juristisch etwas anderes. So gibt es einen Nacherben, einen Vorerben und einen Schlusserben, wobei speziell Schlusserbe und Nacherbe oft verwechselt werden. So gibt es eine Vor- und Nacherbschaft. Der Erblasser, d. h. derjenige, der einen Nachlass hinterlässt, setzt einen Vorerben ein und bestimmt, wer nach dem Versterben des Vorerben Nacherbe werden soll. Sobald der Vorerbe geerbt hat, hat der Nacherbe eine nicht mehr zu nehmende Anwartschaft auf dieses Erbe. Zu seiner Sicherheit wird bei Immobilien im Grundbuch sogar ein Nacherbenvermerk eingetragen, der die Veräußerung der Immobilie durch den Vorerben verhindert. Bei einer Vor- und Nacherbschaft wird das Erbe des Erblassers beim Vorerben bildlich gesprochen nur geparkt und es gibt noch die Unterscheidung zwischen beschränkten und unbeschränkten Vorerben.

    Schlusserben hingegen findet man oft in Ehegattentestamenten, wenn sich die Eltern gegenseitig als Alleinerben einsetzen und nach dem Ableben des zweiten Elternteils die Kinder erben sollen. Hier ist die Situation oft so, dass die Kinder noch keine rechtlich gesicherte Anwartschaft erworben haben, sondern der überlebende Ehegatte oft frei über das Erbe verfügen kann. Wenn somit die Begriffe Schlusserbe und Nacherbe verwechselt werden, kann es zu ungewünschten Verfügungen im Testament kommen, die nach dem Ableben des Erblassers nicht mehr zu korrigieren sind.

    Oft wird auch ein Ehegatte, der eigentlich uneingeschränkt verfügen soll, fälschlicherweise als Vorerbe eingesetzt und nicht als Vollerbe, so dass es auch hier wieder zu Auslegungsproblemen kommen kann.
  2. Ebenso wird oft nicht exakt zwischen einer Erbeinsetzung und einem Vermächtnis unterschieden. Derjenige, der ein Vermächtnis bekommt, wird gerade nicht Erbe, sondern erhält aus dem Nachlass z. B. nur einen oder mehrere Gegenstände oder einen festen Geldbetrag. Er hat jedoch kein Stimmrecht, weil er nicht der Erbengemeinschaft angehört.

    Häufig wird in einem sogenannten Verteiler-Testament der Nachlass an verschiedene Personen aufgeteilt, was nach der gesetzlichen Regelung des § 2087 Abs. 2 BGB gerade nicht als Erbeinsetzung gewertet wird, selbst wenn im Testament ausdrücklich steht, dass der oder die Person das oder jenes „erbt“.

    Diese Beispiele zeigen, dass es durch Verwendung falscher Ausdrücke leicht zu einem nicht gewollten Testament kommen kann, mit dem Risiko, dass am Ende die Erbfolge nicht so eintritt, wie vom Abfasser des Testamentes gewünscht.
  3. Auch bei der Abfassung eines sogenannten Berliner Testamentes, in dem sich die Ehegatten erst einmal zu Alleinerben einsetzen, kommt es immer wieder zu missverständlichen Formulierungen, die es dann dem Überlebenden unmöglich machen, vom Testament, aufgrund geänderter Verhältnisse, ganz oder nur teilweise abzuweichen, obwohl dies so nicht vorgesehen war. Durch eine oft nur 30–60- minütige Beratung können solche Probleme schon im Vorfeld vermieden werden. Der Erblasser spart hier an der falschen Stelle, obwohl strenggenommen am Ende die Erben das Honorar wirtschaftlich gezahlt hätten.
  4. Bei der Geltendmachung oder der Abwehr von Pflichtteilsansprüchen müssen die von der Rechtsprechung entwickelten Berechnungsgrundlagen berücksichtigt werden, die ein juristischer Laie kaum vollständig überblicken kann. Wie unsystematisch das Ganze ist kann man daran sehen, dass die 10-Jahres-Frist bei einer Schenkung nicht zu laufen beginnt, wenn sich der Schenker einen Nießbrauch vorbehalten hat, während der steuerliche Freibetrag mit der Übertragung trotz Nießbrauch geltend gemacht werden kann und sogar die Steuerlast mindert und ggf. nach 10 Jahren ein weiterer Steuerfreibetrag entsteht. Ebenso sind, je nach Konstellation, Stichtage zu berücksichtigen, zu denen die Bewertung erfolgt und ggf. ist noch der Kaufkraftschwund seit der Schenkung zu berücksichtigen. Auch hier berate ich Sie gerne und nach der Beratung können Sie selbst entscheiden, ob Sie ggf. Ihre Interessen selbst vertreten oder sich durch mich vertreten lassen. Sofern Sie eine Rechtsschutzversicherung haben, deckt diese meist zumindest eine Erstberatung im Erbrecht ab, sofern es einen konkreten Anlass für eine Erstberatung gibt, der von den Versicherungsbedingungen gedeckt wird.